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  • AutorenbildPatricia Alge

Infodump – erkennen, verstehen, vermeiden!

Aktualisiert: 5. Jan.

Oder wie du deinen Text von Infodump befreist

Infodump ist heutzutage schon fast ein Schimpfwort, aber was versteht man darunter? Ist er wirklich so schlimm? Wie erkenne ich ihn in meinen eigenen Texten und wie kann ich ihn vermeiden? Das und vieles mehr erfährst du in diesem Artikel. Darüber hinaus zeige ich dir an konkreten Beispielen, wie du Infodump aufspürst, bereinigst oder gar nicht erst aufkommen lässt. Also schnapp dir Handschuhe und Besen und lass uns die Müllhalde wegräumen.


Auf geht’s!


Also, was genau ist denn nun dieser ominöse Infodump?

Das Wort «dump» kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie Müllkippe oder Deponie. Im literarischen Zusammenhang gesehen, ist damit also eine Informationsmüllkippe gemeint. Autsch. Kein Wunder, winden sich Autoren vor Schmerz, wenn Passagen ihrer Geschichte als solche betitelt werden. Unter Infodump versteht man also ein Übermaß an Informationen, die rein der Information wegen an den Leser gebracht werden. Dies geschieht meist in größeren Textabschnitten und dient ausschließlich zur Unterbringung von Hintergrundgeschichten, familiären Verbindungen, historischen Ereignissen, technischen Details etc. Bezeichnend ist auch, dass während dieser Ausschüttung von Informationen die Handlung auf der Strecke bleibt.



Wo findet man Infodump?

Die häufigste Ansammlung von Infodump findet man in der Regel am Anfang eines Romans, wenn Autoren ihre Geschichte und den Hintergrund ihrer Figuren "erklären", und hierfür möglichst viele Informationen an ihre Leser;innen weitergeben möchten. Aber auch an anderen Stellen eines Manuskripts kann er sich einschleichen. Immer dann, wenn sich die Informationen in einer Art Block/Abschnitt sammeln und sich nicht aus dem Erzählen selbst ergeben. Deutlich zu erkennen sind diese Passagen auch daran, dass sie sich offenbar nur im Text befinden, um den Leser;innen einen notwendigen Sachverhalt zu vermitteln. Hier wird informiert, anstatt Kino in ihren Köpfen zu erzeugen.


Was ist so schlimm an Infodump?

Ein gewisses Maß an Infodump lässt sich oft nicht ganz vermeiden. Gerade in Fantasy Romanen, wenn fiktive Welten entworfen und erklärt werden müssen, kommt man um spezifische Einwürfe manchmal nicht ganz drumherum. Schwierig wird es jedoch, wenn diese Erklärungen so geballt und ungeschickt angebracht werden, dass der Lesefluss gestört und die Handlung dadurch unterbrochen wird. Das behindert nicht nur den Spannungsaufbau, sondern langweilt auch die Leser;innen.



Ab wann ist es Infodump?

Hier wird es schwierig. Nicht jede Erklärung ist gleichbedeutend mit Infodump. Es gibt auch keine bestimmte Wort- oder Zeilenanzahl, anhand derer man Infodump erkennen könnte. Eine Anhäufung von Informationen muss deshalb keinesfalls gleichbedeutend mit Infodump sein, während schon eine einzige, unnötig angebrachte Information den Lesefluss stören kann. Wichtig für die Klassifizierung von Infodump ist also nicht, welches Ausmaß, die informierende Textpassage hat, sondern die Intension, die dahintersteckt. Wurde sie lediglich eingefügt, um ein Defizit des eigenen Erzählens auszumerzen: Aus Bequemlichkeit, oder weil befürchtet wurde, die Leser;innen könnten ansonsten die Orientierung verlieren? Oder wurde die Information bewusst platziert und ist an entsprechender Stelle ein stimmiger Teil deines Erzählprinzips? Ersteres ist Infodump, letzteres nicht. Du siehst also, es kommt weniger auf den Umfang der erklärenden Passage an, als vielmehr darauf, ob sie sich organisch aus der Erzählperspektive und dem Erzählstil deiner Texte ergibt.



Wie erkennst du Infodump in deinen Texten

Es gibt verschiedene Arten von Infodump, aber egal wie er daherkommt, er ist immer eine Art Bruch. Entweder, weil er den Lesefluss stört/unterbricht, oder indem er die Leser;innen kurzzeitig aus der Geschichte herausreißt, um ihnen die Informationen unterzujubeln.



Welche Art von Infodump gibt es und wie kann ich sie vermeiden?


Perspektivischer Infodump

Beispiel: Du hast dich in deinem Roman für den personalen Erzählstil entschieden. Das heißt, deine Leserschaft taucht in die Welt deiner Erzählfigur ein und nimmt sie ausschließlich durch deren Sinne, Gedanken und Erinnerungen wahr. Bringst du jetzt plötzlich Informationen an, die weder mit ihrem Erlebten, noch ihrem Intellekt vereinbar sind, entsteht ein Bruch.

Erkennen: Deine Figur ist beispielsweise Köchin und geht auf ihrem Weg zur Arbeit an einem silberfarbenen Porsche Carrera, Baujahr 2003 vorbei, von dem im Leipziger Werk gerade mal 1270 Stück hergestellt wurden und satte 612 PS unter der Haube hat… Wie bitte? Ganz genau. Woher sollte die Frau das alles wissen, wenn sie nicht gerade ein Autofan ist?

Beheben: Glaubwürdiger wäre doch, wenn sie am Porsche vorbei geht und denkt - netter Wagen; oder, steht das Ding schon wieder im Halteverbot. Sind die Daten tatsächlich wichtig für die weitere Handlung, könnte sie die Informationen auch gedanklich anbringen. Den selben Wagen hat auch mein Dad gefahren. Sein ganzer Stolz. Wie hat er immer damit angegeben, dass nur 1270 Stück davon existieren…



Expositorischer Infodump

Hier werden Informationen direkt an den Leser weitergegeben, ohne dass sie in die Handlung oder die Dialoge integriert sind.

Erkennung: Zum Beispiel: »Die Hauptstadt des Landes war Paris, eine Stadt mit einer reichen Geschichte und einer beeindruckenden Architektur.« Hier wird die Information den Leser;innen auf unpersönliche Art und Weise präsentiert, ohne dass Charaktere oder Handlung darin involviert sind.

Behebung: Lass die Informationen auf natürliche Weise in die Handlung oder den Dialog einfließen, indem die Charaktere sich beispielsweise über wichtige Details unterhalten oder verwende Beschreibungen, die sich organisch in die Erzählung einfügen.



Dialogischer Infodump

Hier werden die Informationen in einem übertriebenen Dialog zwischen Charakteren enthüllt. Dies geschieht oft, wenn Charaktere Dinge besprechen, die sie bereits wissen, nur um dem Leser die Informationen mitzuteilen.

Erkennung: Wenn der Dialog unnatürlich wirkt und Charaktere offensichtlich Dinge diskutieren, die sie normalerweise nicht besprechen würden, nur um Informationen weiterzugeben.

Behebung: Schreibe Dialoge, die den Charakteren erlaubt, sich auf natürliche Weise auszutauschen, ohne Informationen zu wiederholen oder offensichtliche Erklärungen abzugeben. Stell sicher, dass der Dialog dem Charakter und der Situation entspricht und zur Entwicklung der Handlung beiträgt.



Beschreibender Infodump

Hier werden Informationen durch umfangreiche Beschreibungen oder Erklärungen vermittelt, die den Fortschritt der Handlung verzögern.

Erkennung: Lange Absätze mit rein beschreibenden Informationen, die nichts dazu beitragen, die Handlung voranzutreiben.

Behebung: Vermeide ausführliche Beschreibungen, die nicht wesentlich für die Handlung oder die Entwicklung der Charaktere sind. Binde Informationen in lebendige Szenen und Aktionen ein, anstatt sie in Beschreibungen zu präsentieren.



Rückblenden und Flashbacks:

Obwohl Rückblenden und Flashbacks manchmal notwendig sind, um die Geschichte zu bereichern, können sie zu Infodumps führen, wenn sie zu umfangreich oder zu häufig eingesetzt werden und den Leser aus dem gegenwärtigen Geschehen reißen.



Infodump erkannt, Problem gebannt?

Das Problem erkennen und beheben ist ja schön und gut, aber was kannst du tun, um Infodump gar nicht erst aufkommen zu lassen? Hierzu einige Ansätze:


  1. Zeigen statt Erzählen: Versuch, die Informationen durch Handlungen, Dialoge und subtile Hinweise zu vermitteln, anstatt sie direkt zu erklären. Lass deine Leser;innen die Informationen entdecken, indem du sie geschickt in die Handlung einwebst.

  2. Schrittweise Enthüllung: Anstatt alle Informationen auf einmal zu präsentieren, lass sie nach und nach in die Geschichte einfließen. Gib deinen Leser;innen jeweils immer nur die Informationen, die für den aktuellen Handlungsabschnitt relevant sind, und enthülle den Rest erst dann, wenn er gebraucht wird.

  3. Integriere Informationen in Dialoge: Wenn du die Informationen mittels Dialogen präsentierst, stell sicher, dass die Charaktere einen natürlichen Grund haben, um über das Thema zu sprechen. Außerdem müssen Dialoge immer auch der Charakterentwicklung und dem Vorantreiben der Handlung dienen.

  4. Nutze die Perspektive der Charaktere: Übermittle die Informationen durch die Wahrnehmung und Gedanken deiner Charaktere. Dadurch werden die Informationen auf eine persönliche und glaubwürdige Weise präsentiert.

  5. Sei sparsam mit Beschreibungen: Jede Beschreibung sollte prägnant und relevant sein, um die gewünschte Atmosphäre und Stimmung zu vermitteln. Vermeide daher übermäßige und unnötige Details, die den Lesefluss unterbrechen könnten.

  6. Prüfe die Notwendigkeit: Frag dich grundsätzlich, ob die bereitgestellten Informationen für die Geschichte tatsächlich von Bedeutung sind. Wenn nicht, lass sie rigoros weg, oder integriere sie auf andere Weise in die Handlung.



Fazit: Indem du Informationen geschickt in die Handlung einbettest, nur dosiert abgibst und durch Zeigen statt Erzählen vermittelst, kannst du den Lesegenuss deiner Leser;innen steigern und sie in eine Welt voller lebendiger Charaktere und spannender Ereignisse entführen. Falls dir noch weitere Arten von Infodump einfallen, oder Kniffe, wie du ihn in deinen Texten vermeidest, schreib mir gerne in die Kommentare. Auch ich freue mich immer wieder, etwas dazuzulernen.


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