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  • AutorenbildPatricia Alge

12 Tipps für packende Dialoge

Aktualisiert: 5. Jan.

Wie man richtig gute Dialoge schreibt

Dialoge sind die tragenden Säulen eines jeden Romans. Egal, ob schlagfertiges Wortgefecht, rührende Liebeserklärung oder witzige Selbstironie… Gutgeschriebene Dialoge sind das Salz in der Suppe und die Blubberbläschen im Sekt… Erst mit, wird der Genuss zu einem prickelnden Erlebnis. Das Wichtigste bei Dialogen ist vor allem eines: geschriebene Unterhaltungen geben niemals wieder, wie Menschen tatsächlich miteinander kommunizieren. Sie sind daher eine eigene Kunstform, die es zu beherrschen gilt. Einerseits, weil man mit der direkten Rede den richtigen Ton treffen muss – sonst wirken Dialoge schnell unnatürlich, gestelzt oder gar hölzern. Andererseits, weil Romandialoge sich zwar wie ein normales Gespräch anhören müssen, aber weit entfernt von dem sind, was wir uns im Alltag unterhalten. Oder achtest du beim Plaudern mit deiner Familie oder deinen besten Freund;innen auf grammatikalische Fehler? Wohl kaum. Im Privatleben reden wir so, wie uns der Schnabel gewachsen ist. Mit Füllwörtern, Wiederholungen, Gedankensprüngen und jeder Menge Dings äh, die für so manchen Zuhörer zu einer Herausforderung mutieren können. Du ahnst, worauf ich hinaus will: Niemand will eine solche Kommunikation auf Papier gebannt sehen.


Also, wie machst du es richtig? Wie schreibst du überzeugende Dialoge?

Hierfür musst du wissen, dass ein Romandialog mehr ist, als nur ein banales Gespräch. Dialoge dienen dazu, deine Romanfiguren zu charakterisieren, die Handlung voranzutreiben, Spannung zu erzeugen, Hintergrundinformationen einfließen zu lassen, Zusammenhänge aufzuzeigen und vieles mehr … Du siehst also, es lohnt sich durchaus, diesem Thema die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken.



Hier die 12 wichtigsten Tipps für gutes Gelingen.

1.Dialoge dienen der Charakterisierung: Dialoge bieten dir eine großartige Möglichkeit, deine Romanfiguren lebendig zu gestalten. Im Sinne von Show, Don't Tell solltest du Figuren nicht einfach nur beschreiben, sondern durch ihr Handeln und ihre Äußerungen ihre einzigartigen Persönlichkeiten veranschaulichen. Ein gut geschriebener Dialog zeigt deinen Lesern besser als jede wortreiche Erklärung auf, worauf eine Figur Wert legt, oder was sie bewegt.


Beispiel: Die dreijährige Mia ist quengelig. Der Dialog zeigt es auf:

»Komm, meine Süße, versuch den Brokkoli! Nur ein Röschen«, bat die Mutter geduldig, doch die Dreijährige schüttelte wild den Kopf und schlug ihr den Löffel aus der Hand. »Mag ich nicht. Will Schokolade! Schokolade! Schokolade!«


Oder…


Tiefe Sorge spiegelte sich in Peters Zügen, als er vom Zeugnis seines Sohns aufblickte. »Im nächsten Quartal wirst du dich richtig reinknien müssen. Mit diesen Noten kannst du dein Abi vergessen.«

»Mir doch egal«, schnaubte Noah. »Ich werde eh Influencer. Wer braucht schon Abi, wenn er mit einigen coolen Clips stinkreich werden kann?«


Du siehst, ohne es explizit zu erwähnen, hast du hier den besorgten Vater und die kurzsichtige Weltanschauung des Teenagers aufgezeigt.



2. Jede Figur hat ihre eigene Sprache: Jeder Charakter sollte seine eigene Stimme haben, die sich auch in seinen Dialogen widerspiegelt. Die Art und Weise, wie ein Charakter spricht, verrät viel über seine Herkunft. Sowohl über seinen sozialen Hintergrund, seine Bildung oder seine Werte. Entwickle deshalb für jede Figur ein individuelles Sprechmuster mit authentischer Wortwahl, um ihre Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Das trägt zur Glaubwürdigkeit deiner Figuren bei und macht ihre Dialoge unverwechselbar.


Beispiel: Ein Geschichtsprofessor artikuliert sich anders, als ein Busfahrer. Ein Spanier besitzt ein anderes Sprachtemperament, als jemand, der aus Großbritannien stammt, und ein Spross aus reichem Hause benutzt eine andere Wortwahl, als jemand, der seine Jugend auf der Straße verbracht hat.



3.Action Baby! Dialoge sollten die Handlung vorantreiben und keine Zeit verschwenden. Jeder Dialog sollte einen Zweck erfüllen und zur Entwicklung deiner Geschichte beitragen.

Beispiel: »Wir müssen diesen Anschlag verhindern«, verkündete Anna entschieden. »Aber wie? Wir wissen weder, wann er stattfindet, noch wo«, hielt Xaver dagegen. »Dann finden wir jemanden, der es weiß. Besorg dir einen Durchsuchungsbeschluss für Forks Haus. Ich nehme mir derweil seine Frau vor.«

In diesem Beispiel treibt der Dialog die Handlung voran, da die Figuren über ihre nächsten Schritte sprechen und eine Dringlichkeit entsteht.



4. Achte auf Dynamik und Struktur: Ein gut geschriebener Dialog hat einen angenehmen Rhythmus und eine klare Struktur für ein harmonisches Leseerlebnis. Vermeide zu lange Absätze und zu viele Redewechsel. Variiere den Satzbau und die Länge der Sätze, um Spannung aufzubauen oder Tempo herauszunehmen. Dadurch werden Gespräche lebendig und mitreißend. Achte auch auf die Verwendung von Satzzeichen, um den Dialog flüssig zu gestalten.


Beispiel: »Kann ich heute mit dir zur Arbeit fahren?«, erkundigte sich Lisa. »Lieber nicht«, blockte Peter ab. »Die anderen sollten uns morgens nicht aus demselben Wagen steigen sehen. Du weißt doch, wie schnell in der Firma getratscht wird.« »Wen kümmert es, was die anderen sagen?« »Na mich. Ich bin schließlich dein Boss.«



5. Wortgefechte und verbaler Schlagabtausch: Schaff Spannung in deinen Dialogen, indem du geschickte Wortgefechte und verbale Schlagfertigkeit einsetzt. Lass deine Charaktere rhetorische Kämpfe austragen indem sie leidenschaftlich argumentieren. Dadurch zeigen sie ihre Emotionen und es entsteht ein dynamisches Spiel von Worten, die den Leser mitreißen.

Beispiel: »Du kommst schon wieder zu spät!«, fauchte Sandra wütend. »Jetzt mach kein Drama daraus! Es sind nur zwölf Minuten«, hielt Alex dagegen. »Ich habe den Bus verpasst. Als ob dir das noch nie passiert wäre.« »Ist es nicht«, versicherte Sandra entschieden, »weil ich meine Zeit einzuteilen weiß.« Alex warf wütend die Hände in die Luft. »Sicher doch. Wie konnte ich nur vergessen, mit wem ich rede. Fräulein Perfekt unterlaufen natürlich nie Fehler.?«



6. Nutze Dialoge für den Einstieg: Keiner mag langweilige Einführungen! Gerade am Anfang eines Romans müssen den Lesern Informationen über die Ausgangssituation, Grundstimmung, Konflikte… etc.. vermittelt werden. Verzichte hier auf lange Erklärungen. Lass stattdessen deine Dialoge diese Informationen rüberbringen. Stell klar, wer deine Figuren sind, wo sie sich aktuell in ihrem Leben/Umgebung befinden und welche Probleme sie gerade haben und pack diese Informationen geschickt in ein Gespräch.


Beispiel: Kate fängt gerade in einem neuen Job an und hat kein gutes Verhältnis zu ihrem Vater.

»Dad hat getobt, als er von deinem neuen Job erfahren hat.«

Kates Mundwinkel hoben sich. »Schön zu hören. Der Colonel konnte es noch nie leiden, dass ich nicht nach seiner Pfeife tanze. Vermutlich hat er darauf spekuliert, dass ich keine neue Anstellung finde und gezwungen bin, das Jurastudium wieder aufzunehmen, das er seit jeher für mich vorgesehen hat.«

»Nenn ihn nicht so«, bat Mia bedrückt. »Er ist unser Dad.«

»Deiner vielleicht. In meinen Augen hat er das Recht auf diesen Titel vertan, als er uns nach Mom's Tod verlassen hat.«


Auf diese Weise lassen sich Vorgeschichten wunderbar in ein Gespräch einflechten. Der Konflikt lässt deine Leser vergessen, dass sie ganz nebenbei mehr über die Figuren erfahren. (neuer Job, gutes Verhältnis zur Schwester, schlechtes zum herrischen Vater und den Grund weshalb das so ist)



7. Schluss mit Smalltalk: Zugegeben, Smalltalk spielt in der zwischenmenschlichen Kommunikation eine wichtige Rolle. In Romanen ist er jedoch fehl am Platz. Niemand will langweiligen Smalltalk lesen, es sei denn, er dient der Charakterisierung einer Figur. Ansonsten gilt: Weniger ist mehr. Vermeide überflüssiges Gerede. Lass deine Protagonisten auf den Punkt kommen und nur das Wesentliche sagen. Jedes Wort sollte einen Zweck erfüllen und die Geschichte vorantreiben. Klare, pointierte Dialoge hinterlassen einen nachhaltigen Eindruck und halten die Spannung aufrecht.


Beispiel: Eva und Stephen wechselten einige unverfängliche Sätze über das Wetter, bevor Eva mit ihrer Frage herausplatzte: »Wie töte ich schmerzhafter? Mit einer Axt oder einer Pistole?«



8. Tschüss Höflichkeit: Schluss mit Floskeln. Verzichte wann immer möglich auf höfliche Begrüßungs- und Abschiedsfloskeln, wie auch auf Fragen nach dem Befinden. Ebenso wie Smalltalk, haben auch Floskeln in Romanen nichts zu suchen. Im echten Leben gehören ein »Guten Tag« und »Wie geht es dir« zwar zum guten Ton, in Romanen sind sie jedoch langweilig und überflüssig. Auch hier gilt: Lass deine Figuren Klartext reden!


Beispiel: »Guten Tag«, sagte sie. »Guten Tag«, antwortete er. »Wie geht es dir?« »Gut und dir?«

Sowas will niemand lesen. Wenn du aufzeigen möchtest, dass deine Protagonisten unverbindlich Kontakt aufnehmen, erwähne es subtil. (z.B. sie nickten sich grüßend zu, sie schüttelten sich die Hand zur Begrüßung …) Das muss nicht verbal kommentiert werden. Der Dialog sollte immer für wichtige Informationen reserviert bleiben. Auch hier gilt, was weder der Charakterisierung dient, noch die Handlung vorantreibt, sollte gestrichen werden.



9. Vermeide Doppelungen: Informationen sollten niemals doppelt vorkommen, da sie ein Garant dafür sind, dass die Spannung auf der Strecke bleibt. Deshalb sollten Dinge, die aus der Szene hervorgehen, nicht auch noch im Dialog aufgegriffen werden.


Beispiel: Peter starrte entgeistert auf die Insulinspritze. Seit einer halben Stunde suchte er danach und nun lag sie gebraucht auf dem Nachttisch neben seinem Patienten. »Wie kommt die Insulinspritze auf den Nachttisch? Und warum ist sie gebraucht?«

Temporeicher ist diese Version, da sie keine doppelten Informationen enthält:


Peter blickte sich um und erstarrte. »Wie kommt die Insulinspritze auf den Nachttisch, und warum ist sie gebraucht?«



10. Überraschende Wendungen: Sei mutig und wage es, überraschende Wendungen und unerwartete Offenbarungen in deine Dialoge einzubauen. Dadurch erzeugst du Spannung und hälts deine Leser in Atem. Überraschende Gesprächsmomente können das Potenzial haben, die Geschichte auf ein ganz neues Level zu heben.



11. Subtile Andeutungen und Raum für Interpretationen: Nutze subtile Andeutungen und Zwischentöne in deinen Dialogen, um Neugierde zu wecken. Zwischen den Zeilen können sich neue Impulse und emotionale Untertöne entfalten, die den Leser fesseln und tiefer in deine Geschichte ziehen.


Und last but not least.



12. Raum für Interpretationen: Lass Raum für Interpretationen. Gute Dialoge ermöglichen es deinen Lesern, eigene Schlüsse zu ziehen. Vermeide deshalb, alles bis ins kleinste Detail auszuführen. Lass deinen Lesern stattdessen Raum für ihre eigene Vorstellungskraft.



Fazit: Das Schreiben guter Dialoge erfordert Übung und Feingefühl. Indem du aber diese 10 Tipps berücksichtigst, wird es dir mühelos gelingen, gute Dialoge zu erschaffen, die lebendig und fesselnd sind. Lass die Worte sprühen, bring Humor und Spannung in deine Dialoge und spiel mit Kontrasten und Nuancen. Trau dich, den Leser mit überraschenden Wendungen zu fesseln. Experimentiere ruhig mit verschiedenen Dialogstilen und nimm dir die Zeit, deine Dialoge zu überarbeiten und zu perfektionieren. Auf diese Weise entwickeln sich deine Dialoge zu einem effizienten Werkzeug, die deine Geschichte zum Leben erwecken. Deine Leser werden es dir danken.

Falls du Fragen oder eigene Tipps hast, um richtig gute Dialoge zu schreiben, teil mir das gerne in den Kommentaren mit.


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