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  • Patricia Alge

Kein Bock auf Mister Right (Part 1/2)

Oder warum Protagonisten Ecken und Kanten brauchen

Protagonisten sind das Salz in der Suppe.


Egal, ob Roman, Film, Kurzgeschichte oder Zeichentrickserie, jede Geschichte steht und fällt mit ihren Charakteren.


Dein Plot (Handlung) kann noch so spannend und gut durchdacht sein, wenn deine Protagonisten platt oder gar langweilig sind, wirst du deine Leser niemals fesseln.


Deshalb brauchst du Figuren/Charaktere, die deine Geschichte beleben, sie vorantreiben und bestenfalls deine Leser dazu bringen, Seite um Seite deiner Geschichte zu verschlingen. Aber wie entwickelst du solche Figuren? Welche Charaktere braucht ein Roman überhaupt, was sind ihre Aufgaben und wie erweckst du sie zum Leben? Genau das möchte ich dir in diesem Artikel erklären. Außerdem habe ich ein kleines Geschenk für dich bereitgestellt. Meinen ganz persönlichen Charakterbogen. Ich habe ihn über Jahre entwickelt und schon viele tolle Romanfiguren damit entwickelt. Wenn du möchtest, kannst du ihn dir am Ende dieses Beitrags herunterladen.


Hinweis: Der Lesbarkeit zuliebe, verzichte ich in den folgenden Absätzen auf die Genderformen. Ich hoffe, das ist okay für dich. Dennoch sind bei den Charakteren immer alle Geschlechter gemeint.


Okay, legen wir los.




Welche Charaktere braucht ein Roman


Der Protagonist

Die wohl wichtigste Figur in jedem Roman.

Als Protagonist wird die Hauptfigur eines Romans bezeichnet. Also die zentrale Figur, um die sich die Geschichte dreht. Dabei muss es sich beim Protagonisten nicht zwangsläufig um den Guten, sprich den Helden handeln. Es kann auch ein Serienkiller wie in der Serie Dexter oder eine dunkle Fee wie in Maleficent sein. Protagonist bezeichnet lediglich die Funktion als zentrale Hauptfigur. Ausserdem gibt es in Geschichten oft mehrere Protagonisten. In Liebesgeschichten zum Beispiel, oder wenn es sich um eine Clique oder ein Ermittlerteam handelt. Meist sind hier alle Protagonisten in ungefähr gleich stark und verlangen auch dieselbe Aufmerksamkeit. Im Allgemeinen gilt, je mehr Protagonisten eine Geschichte aufweist, desto länger wird der Roman.



Der Antagonist

Der Antagonist ist der Gegenpart zum Protagonisten.

Meist der Bösewicht, es kann aber auch wie in unserem Dexter Beispiel, die Polizei sein. Die Rolle des Antagonisten besteht hauptsächlich darin, die Handlungsabsichten des Protagonisten zu durchkreuzen. Dabei kann ein Antagonist sowohl ein Gegenspieler in Menschengestalt, ein Tier (wie der weisse Hai) oder auch eine Naturgewalt, wie z.B. ein Hurrikan oder ein Vulkan sein. Auch nicht -greifbare Gefahren, wie eine tödliche Krankheit oder ein rückwärts zählender Countdown können zu Antagonisten werden. Schlicht alles, was den Protagonisten davon abbringen will, sein Ziel zu erreichen.



Nebenfiguren oder Nebencharaktere:

Hier gibt es verschiedene Arten von Nebenfiguren:

Jene, die immer mal wieder in der Geschichte auftauchen, wie zum Beispiel der Kumpel, mit dem sich der Protagonist eine Wohnung teilt oder der Barkeeper, der jeden Abend in der Stammkneipe des Helden hinter dem Tresen steht. Diese Nebencharaktere können die Geschichte mit Leben füllen, dem Protagonisten wichtige Hilfestellung/Ratschläge geben oder entscheidende Hinweise liefern.


Und dann gibt es noch die Nebenfiguren, die ich gern als Statisten bezeichne.


Sie dienen ebenfalls dazu, die Geschichte mit Leben zu füllen, doch im Gegensatz zu den oben genannten Nebencharakteren, sind diese jederzeit ersetzbar. Wie der Postbote, der dem Helden ein Paket an die Tür bringt. Oder die zwanzig Businsassen, die erschrocken aufschreien, wenn der Busfahrer plötzlich auf die Bremse steigt.


Nebencharaktere sind den Protagonisten untergeordnete Figuren, die hauptsächlich eine unterstützende (offenes Ohr des Barkeepers) oder dramaturgische Funktion (Schreie der Businsassen) ausüben.




Perfektion, Klischee und Eindimensionalität

Soviel zur Theorie, aber wie kreieren wir denn nun eine fesselnde Hauptperson, die dem Leser in Erinnerung bleibt? In erster Linie, indem wir drei Fallen unbedingt vermeiden:


Perfektion

Zugegeben, gerade in der heutigen Zeit wird viel über Selbstoptimierung und Perfektion gepredigt, aber ganz ehrlich… was gibt es Langweiligeres, (vielleicht auch Deprimierenderes) als ein Gegenüber, das perfekt ist? Atemberaubend schön, erfolgreich, allseits beliebt und noch dazu ein Herz aus Gold…? Gähn. Abgesehen davon, dass sich kaum ein Normalsterblicher (und damit auch kein Leser) mit einer solchen Figur identifizieren kann, fehlen hier sowohl Reibungspunkte als auch Konfliktpotential. Natürlich darf dein Protagonist eine Augenweide sein, aber dann gib ihm andere Fehler, die ihn menschlicher wirken lassen. Gib ihm einen Tick oder das Mindset, ständig mehr leisten zu müssen, um nicht aufs Äussere reduziert zu werden. Ist dein Protagonist besonders taff und clever, kennt er sich vielleicht nicht mit zwischenmenschlichen Gefühlen aus. Oder ist er superreich, hat er vielleicht Probleme mit dem Vertrauen. Siehst du was hier passiert? Dein Protagonist bekommt nicht nur augenblicklich mehr Tiefe, er erhält etwas wesentlich Wichtigeres. Wachstumspotential! Die Möglichkeit, im Laufe der Geschichte über sich hinaus zu wachsen. Eine weitere Methode, eine unvergessliche Figur zu erschaffen, ist - gib ihr etwas Spezielles. Hebe sie von all den anderen Figuren ab. Sei es, indem du ihr spezielle Eigenschaften verleihst (wie in Numbers, hier löst ein Wissenschaftler mit Hilfe von mathematischen Formeln Mordfälle) einen speziellen Kleidungsstil (was wäre Sherlock Holmes ohne seine Mütze) Ein Körpermerkmal (wie Harry Potters Stirnnarbe) oder eine psychische Macke (wie Detective Monk mit all seinen Phobien). Alles ist erlaubt, Hauptsache, es hebt deine Figur von anderen ab und weckt das Interesse deiner Leser. Frag dich selbst. Welche Figur aus Literatur oder Film ist dir besonders in Erinnerung geblieben? Und warum? (Schreib mir deine Antwort gern in die Kommentare).



Klischee

Wie schnell ist es passiert, dass man sich eines Klischees bedient. Der Detective, der seine Sorgen im Alkohol ertränkt. Der attraktive Oberarzt, der sich mit jeder Schwester vergnügt. Oder die frustrierte Hausfrau, die ihrer Karriere und ihren verlorenen Träumen hinterher trauert. Alles legitime Ausgangspunkte, aber schon so oft verwendet, dass sie inzwischen oft ziemlich schnell langweilen. Willst du eine unvergessliche Figur erschaffen, vermeide solche Klischees, oder wandle sie bewusst ab. Lass deinen Detective anstelle in eine Bar zum Pokerabend mit Freunden gehen. Sind diese Freunde dann auch noch Psychologen, Anwälte oder dergleichen, könnten sie ihm bei seinen Fällen sogar hilfreiche Ratschläge erteilen.



Eindimensionalität

Noch schlimmer, als Klischees, ist die Gefahr, deine Figur platt und eindimensional wirken zu lassen. Egal, ob Protagonist oder Antagonist. Niemand ist nur gut, oder nur schlecht. Niemand ist nur schön, intelligent, mutig, oder hinterhältig… Wie wir Menschen, sollten auch deine Figuren Tiefgang besitzen. Hauch ihnen Leben ein, indem du ihnen Ecken und Kanten gibst. Je individueller und glaubwürdiger du einen Charakter gestaltest, desto authentischer wird im Endeffekt auch dein Roman. Das Zauberwort hierbei heisst Entwicklung. Anfangs ist dein Charakter nur eine Figur, die eine Rolle spielen soll. Ein Detective, eine Ballerina, was auch immer… Du weisst, wie sie in ungefähr aussieht, aber erst, wenn du ihr Herz gibst, wenn du sie nach und nach mit Eigenschaften, Fähigkeiten, einer Vergangenheit und einer glaubwürdigen Motivation ausstattest, wird sie für deine Leser lebendig.


Um genau das zu üben, findest du hier meinen persönlichen Charakterbogen zum herunterladen.

Charakterbogen_Patricia_Alge
.pdf
Download PDF • 104KB

Wenn du Lust hast, geh die verschiedenen Punkte durch und du wirst sehen, wie deine Figur immer mehr Tiefe und Lebendigkeit gewinnt.


Oder lies den 2. Teil dieses Blogs. Darin gehen wir die einzelnen Punkte gemeinsam durch. Ich bin mir sicher, ich kann dir noch den ein oder anderen Tipp geben.

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