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  • Patricia Alge

Kein Bock auf Mister Right (Part 2/2)

Wie versprochen, hier die Erklärung zu meinem Charakterbogen

Falls du ihn im ersten Teil kein Bock auf Mister Right 1/2 noch nicht heruntergeladen hast, kannst du das hier nachholen, oder zuerst den ersten Teil lesen.

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Bereit? Fein, dann lass uns loslegen und gemeinsam eine unvergessliche Figur kreieren. Wichtig beim Ausarbeiten eines Charakterbogens ist immer, dass du deine Geschichte stets im Hinterkopf behältst und deinen Figuren nur Charaktereigenschaften, Aussehen und Fähigkeiten verleihst, die deinem Plot dienlich sind.


Genug geredet, fangen wir an. Charakterbogen bereit? Erschrocken über die fielen Punkte? 😉Wie du siehst, mag ich es ausführlich. Aber keine Sorge, es ist jedem selbst überlassen, wie detailliert er sich mit seinen Charakteren auseinandersetzen, beziehungsweise den Charakterbogen ausfüllen möchte. Ich persönlich arbeite die Punkte nur für meine Hautfiguren so konkret aus. Alle Nebenfiguren erhalten eine sehr viel schlanke Version. Dennoch sollte man den Vorteil, eines Charakterbogens nicht unterschätzen. Einerseits, steuert er dem nervigen Suchen nach persönlichen Details im Manuskript entgegen - hatte die Schwester des Protagonisten nun schwarzes oder rotes Haar? Aber noch viel wichtiger ist… dass uns die Arbeit an einem solchen Charakterbogen dabei hilft, unsere Charaktere besser kennen zu lernen. Anfangs ist unser Protagonist noch ein Fremder. Wir haben keine Ahnung, wer er ist oder woher er kommt. Je näher wir ihn jedoch kennenlernen (je mehr Details wir über ihn erarbeiten), desto vertrauter wird er uns und desto genauer wissen wir, wie er tickt, spricht und sich in bestimmten Situationen verhält. Mit anderen Worten, je authentischer wir unsere Charaktere ausarbeiten, desto lebendiger agieren sie in unserer Geschichte und desto glaubwürdiger sind sie auch für unsere Leserschaft. Wissen wir zum Beispiel, dass unser Protagonist aus Schweden stammt, werden wir ihm ziemlich sicher kein lateinamerikanisches Temperament verpassen, sondern ihn mit Name, Aussehen und Mentalität eines gebürtigen Schweden ausstatten. Wuchs unser Protagonist in einem reichen Haus auf, wird er eine andere Erziehung genossen und eine andere Beziehung zu Geld haben, als jemand, der von klein auf Mangel erleben musste. Oder fehlt unserem Protagonist der rechte Arm, wird er sich im Laufe der Geschichte ziemlich sicher keine wilde Verfolgungsjagd mit dem Antagonisten in einem handgeschalteten Porsche liefern. Erkannt, worauf ich hinaus will? Ganz genau.


Willst du eine grossartige Figur erschaffen, muss sie primär zwei Dinge sein.


Glaubwürdig und Interessant.


Bereit loszulegen?


In diesem Artikel werde ich dir meinen Charakterbogen Punkt für Punkt erklären und dir Tipps geben, wie du deine Charaktere lebendig herausarbeitest. Ich benutze bei meiner Erklärung dieselben Übertitel wie im Bogen, damit du dich leichter zurechtfindest. (Wie schon in -Kein Bock auf Mister Right 2/1 - werde ich auch hier der Lesbarkeit zuliebe auf Genderformen verzichten. Dennoch sind bei den Charakteren immer alle Geschlechter gemeint.)


Jetzt aber wirklich. Legen wir los: Kreieren wir unseren Protagonisten



Foto

Dürfte klar sein. Ich bin ein visueller Mensch. Deshalb hilft es mir, ein Foto von meinen Protagonisten zu haben, damit ich sie mir besser beim Agieren vorstellen kann.


Jeder, der eine Geschichte schreibt, hat eine vage Vorstellung davon, wie sein Held in ungefähr aussieht. Internet und Millionen von Bildern sei Dank, können wir unseren fiktiven Gestalten sogar einen Körper verleihen. Wissen wir zum Beispiel, dass unser Protagonist schwedische Wurzeln hat, (Ich scheine es heute mit den Schweden zu haben) füttern wir Google mit unseren Wünschen, e voilà, schon haben wir jede Menge Bilder von schwedischen Männern zur Auswahl. Ich konzentriere mich hierbei meist auf Fotos von Schauspielern. Vorteil hierbei ist, dass von Schauspielern viele Fotos in unterschiedlichsten Rollen und Gemütslagen existieren. Soll mein Protagonist ein erfolgreicher Anwalt, ein überforderter Familienvater oder ein überarbeiteter Detectiv sein, achte ich schon bei der Wahl des Fotos darauf, dass es die Grundstimmung meines Protagonisten widerspiegelt.



Name

Auch hier ein Hoch aufs Internet. Jede Menge Auswahl. Aber achte darauf, dass du den Namen nicht bloss seinem Klang wegen wählst. Er sollte auch zur Herkunft des Protagonisten passen.



Rolle in der Story

(Hier ist nur die grobe Struktur gemeint): Held, Freund des Helden, Schwester des Helden, Partner des Helden…



Beruf

Dürfte ebenfalls klar sein. (aus seinem Beruf können wir schon viel über den Charakter des Protagonisten, sein Umfeld und seine finanzielle Lage ableiten. Was sich wiederum in seinem Erscheinungsbild, seinem Fahrzeug und seiner Wohnung spiegelt).



Aussehen

Hier spielt das Genre in dem wir schreiben eine entscheidende Rolle. In einem Liebes- oder Erotikroman benötigt man sehr viel detailliertere Informationen zum Aussehen einer Person, als beispielsweise in einem Krimi.

Wichtig für alle Genre ist jedoch: Der Kleiderstyle deines Protagonisten, da er viel über seine Persönlichkeit, seine finanzielle Lage oder sein soziales Umfeld aussagt. Besondere Merkmale wie Narben, Tätowierungen, ein fehlendes Eckstück beim Zahn, können deinem Protagonisten einen Wiedererkennungswert geben und auch die Wirkung deines Protagonisten ist wichtig. Hier ist der erste Eindruck gemeint, den dein Charakter bei seinem ersten Auftritt beim Leser hinterlässt. Wirkt er eher kompetent und ruhig, kommt er überheblich rüber, oder sieht man ihm die durchzechten Nächte an?

Alter und Geburtstag dürften klar sein. Sternzeichen können manchmal interessante Charaktereigenheiten hervorheben, die man sonst gar nicht so im Auge hat. Geburtsort und Wohnhaft in, erklären sich von selbst. Wo wurde dein Protagonist geboren und in welcher Stadt/Ort lebt er jetzt gerade.



Auftreten

Körperhaltung deines Protagonisten.

Geht er aufrecht, wie jemand der weiss was er tut? Hinkt er, von einem schlecht verheilten Sportunfall oder einer Kriegsverletzung? Lässt er die Schultern oder den Kopf hängen, weil er mental müde oder schüchtern ist… (auch hier wieder, die Haltung sagt viel über den Charakter aus)


Sprache/Stimme

Wie spricht dein Protagonist? Mit Akzent, infolge anderer Muttersprache oder längerem Aufenthalt im Ausland. Redet er eher schnell und hektisch oder durchdacht und jedes Wort abwägend? Ist an seiner Stimme etwas charakteristisch? Auffallend hoch oder tief, besonders kratzig, dehnt er gewisse Silben oder stottert er bei Aufregung…


Immer dabei

Gibt es etwas, dass er immer bei sich trägt? Z.B. ein Inhaliergerät oder einen EpiPen, weil er gegen etwas allergisch ist. Einen Schal, ohne den er das Haus nicht verlässt. Ein Foto seiner verstorbenen Frau, einen Notizblock, oder trägt er stets Handschuhe, um die Narben auf seinen Handrücken zu verbergen?


Kleidung

Hat er ein Lieblingskleidungsstück, dass zu seinem Markenzeichen werden könnte? Eine Wollmütze, Sonnenbrille, langer Ledermantel, rosa Springerstiefel? Legt er Wert auf Qualität und Sauberkeit oder lebt er nach dem Motto, Hauptsache gemütlich? Ist er ein Markenfan und gibt sein ganzes Geld für Kleider aus, nur um in ein bestimmtes Schema zu passen?


Schmuck

Trägt er einen Ehering, die alte Uhr seines verstorbenen Vaters, oder ein Voodoo Mojo als Schutz gegen böse Geister? (auch solche Gegenstände sagen viel über einen Charakter aus)


Besonderheiten

Kaut er ständig Kaugummi, weil er gerade mit dem Rauchen aufhört, hat sein linker Schuh einen höheren Absatz, um die Beinlängen auszugleichen oder trägt er immer einen Schirm bei sich, weil er Regen hasst?



Sozialer Status/ Freunde und Familie

Mutter und Vater leben sie noch, wenn ja, wo und wie steht er zu ihnen? Ist er z.B. von seiner Mutter genervt, weil sie ihn ständig mit irgendwelchen Frauen verkuppeln will, oder besucht er sie jeden Freitag im Altenheim, obwohl sie ihn nicht mehr als ihren Sohn erkennt? Versucht er seinem Vater nachzueifern, weil er dessen Werte hochhält, oder verachtet er seinen alten Herrn, weil er ihm nie etwas recht machen kann. Vielleicht hat er sogar sein aggressives Temperament geerbt und kämpft ständig gegen die Wut in seinem Inneren an.

Was ist mit Geschwistern? War er ein Einzelkind, der grosse Bruder oder nur einer von zig Kindern? Versteht er sich gut mit ihnen oder ist er nie über den Tod seines jüngeren Bruders hinweggekommen? Gibt er sich vielleicht sogar die Schuld an dessen Tod? (Gerade Familienkonstellationen sind ein unerschöpflicher Quell an Konflikten) für eine Geschichte.


Zivilstand

Ist der Protagonist verheiratet, Witwer, (trauernd) wurde er vor dem Traualtar stehen gelassen (Vertrauen erschüttert, gedemütigt, hasserfüllt) oder ist er ein eingefleischter Junggeselle (muss wohl noch zu seinem Glück überredet werden)


Partner:in von

Name des Partners, der Partnerin und wie lange sie schon zusammen sind.


Freunde

Hat er viele Freunde? (gesellig) Nur wenige? (Einzelgänger) Gar keine? (Eventuell frisch umgezogen)


Haustiere

Können ebenfalls einiges über den Protagonisten aussagen. Hund oder Katzentyp? Mag er eher Reptilien oder ekelt er sich vor allem, was kreucht und fleucht? Vielleicht hat er auch ein spezielles Haustier? Wie eine dreibeinige Katze oder ein Frettchen?



Leben

Wohnt in

Die Wohnung sagt auch viel über einen Protagonisten aus. Ich finde, hier darf es gern etwas aussergewöhnlicher sein. Wie z.B. in einem Hausboot, als Untermieter im Keller eines Seniorenheims, in einem ausrangierten Zugwaggon...

Fährt einen

Welchen fahrbaren Untersatz fährt dein Protagonist? Nutzt er öffentliche Verkehrsmittel, liebt er schnelle Maschinen, fährt er ein umweltbewusstes Elektrofahrzeug, oder braucht er möglichst viele PS unter dem Hintern?



Vorlieben vs. Abneigungen

Interessen

Welche Interessen hat dein Protagonist? Was mag er? Geht er gern ins Theater, steht er auf Techno, Liest er gern, (dann ist seine Wohnung voller Bücher) oder schraubt er lieber in der Garage an seinem Auto herum. (Macht ihn handwerklich begabt) vielleicht spielt er Golf, (Hauch von Geld)


Abneigung

Was kann er gar nicht leiden? Z. B. seinen Nachbarn, (da dieser jeden Morgen um halb drei, Trompete übt), seinen Job (weil er sich darin gefangen fühlt) Katzen, infolge Tierhaarallergie …


Ängste

Wovor fürchte er sich wirklich? Sich zu verlieben (Enttäuschung) Zu werden wie sein Vater? (Alkoholiker, Schläger, Pantoffelheld) oder es eben nicht zu werden? (Wenn er im Vater ein Vorbild sieht) Fürchtet er sich vor dem Fliegen, vor Wasser oder ungeraden Zahlen… (hier gibt es eine Fülle an Konfliktpotential)


Hobbys

Sind auch immer cool, da sie eine ganz andere Seite des Protagonisten zeigen können. So kann ein brutaler Auftragskiller, durchaus ein begeisterter Gourmetkoch sein. Ein Detective, nicht immer Trinker (wie schon so oft gelesen), sondern vielleicht Laiendarsteller im Dorftheater, um seinen seelischen Ausgleich zu finden.


Moral

Auch die Moral ist meines Erachtens wichtig. Damit sind keine Lebensweisheiten im Sinne von Glückskekssprüchen gemeint, sondern der Grundtenor, nach dem unser Protagonist lebt. Wie ist er gestrickt? Lebt er nach dem Motto; die Welt gehört mir, egal wer dabei zu Schaden kommt, oder doch eher nach strengen Wertvorstellungen von Gesetz und Glauben. Ist er Optimist, oder ist sein Glas schon leer, bevor es überhaupt auf dem Tisch steht?


Essen

Was isst er für gewöhnlich? Pizza und Bier, vegetarisch, hat er Allergien, oder kann er die Finger nicht von Süssem lassen? Wird er von seiner betagten Vermieterin bekocht, oder isst er jeden Tag in seinem Stammlokal? Klingt zwar seltsam, aber seine Essgewohnheiten liefern dir wichtige Hinweise, in welchen Lokalitäten sich deine Geschichte abspielen könnten. Ein Vegetarier wird sich wohl kaum in einem Steakhaus mit seiner Angebeteten treffen...


Hervorstechendste Charaktermerkmale/ Eigenheiten

Wie ist er? Zielstrebig, entschlussfreudig, ist er ein Teamplayer oder der berühmte einsame Wolf. Hat er Macken im Sinne von Monk, (Angst vor Keimen, Querstreifen, ungeordneten Dingen) oder gibt er einen Schei... darauf, was andere von ihm denken


Typische /Lieblings Orte

Welches sind die vier Orte, an denen er sich am häufigsten aufhält? In seinem Büro? Auf dem Friedhof, um bei seinen Liebsten zu sein? Im Cockpit eines Kampfhubschraubers? Warum ist er dort, was bedeuten sie ihm?



Motivation

Was treibt ihn an

Was treibt ihn morgens aus dem Bett, beziehungsweise in deiner Geschichte voran? Was will er? Hier ist sein höheres Ziel gemeint. Hat er dem Verbrechen den Kampf angesagt? Will er den Welthunger stillen, der beste Koch des Universums werden oder seine Unschuld beweisen?


Kämpft gegen

Wer oder was steht ihm beim Erreichen dieses Ziels im Weg? Wogegen kämpft er an?


Welcher innere Konflikt muss gelöst werden?

Jeder Protagonist muss sich im Laufe einer Geschichte seelisch weiterentwickeln. Hat er am Anfang der Geschichte noch schreckliche Angst vor Wasser, muss er sich im grossen Finale vermutlich tapfer in die Fluten stürzen, um jemanden zu retten. Ist er anfangs ein Einzelkämpfer, wird er lernen müssen, Hilfe anzunehmen oder sich auf jemand anderen zu verlassen.


Wie muss er sich entwickeln: Was muss geschehen, damit er diese Innere Verwandlung erzielt?



Lebenslauf

Und zu guter Letzt, der Lebenslauf: Jetzt, da du deinen Charakter schon so gut kennst, wirst du staunen, wie leicht es dir fällt, einen Lebenslauf für deinen Protagonisten zu schreiben. Wie war seine Kindheit; wie sein Erwachsenenleben; gab es Ex-Partner; warum ist er, wie er ist; Was hat ihn geformt und was ist geschehen, dass er jetzt in deiner Geschichte auftaucht?


Ich hoffe, ich konnte dich mit meinen Ausführungen inspirieren und du gehst fröhlich ans Werk. Hast du eventuell eigene Punkte oder Anregungen, mit denen du deine Charaktere entwirfst? Falls ja, würde ich mich freuen, wenn du sie in den Kommentaren mit mir teilst.

Liebe Grüsse und bis zum nächsten Mal.

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